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Das Jagdhorn

Das Jagdhorn dient primär der Kommunikation während der Jagd, der Ehrung des erlegten Wildes und der Pflege des jagdlichen Brauchtums. Es ist ein traditionelles Blechblasinstrument, das Signale über weite Entfernungen übermittelt. Zum Beispiel im traditionellen Ablauf einer Treibjagd auf Niederwild strukturieren die Jagdhornsignale den gesamten Jagdtag und sichern vor allem den gefahrlosen Einsatz der Schusswaffen. 

 

Im Jagdbläserkorps Osnabrück e.V. kommen die gebräuchlichen Hörner der jagdlichen Musik zum Einsatz.

Jagdsignale

Hohes Wecken

  • Zeitpunkt: Häufig am frühen Morgen vor Beginn des eigentlichen Jagdgeschehens, oft bereits am Treffpunkt oder bei Ankunft im Revier.  

  • Aussage: Feierlich‑traditioneller Tagesbeginn, „Wecken“ der Jäger, Einstimmen auf den Jagdtag. Kein direktes Anordnungssignal, sondern Brauchtum und Auftakt. 

Sammeln der Jäger

  • Zeitpunkt: Wenn alle Teilnehmer sich zu Beginn (oder nach einzelnem Treiben) am vereinbarten Platz einfinden sollen.

  • Aussage: „Jägersleute, versammelt euch, ich habe etwas mitzuteilen.“ Es bedeutet, dass wichtige Informationen folgen, z.B. Sicherheitsbelehrung, Revieraufteilung, Freigabe des Wildes oder organisatorische Hinweise.

Begrüßung

  • Zeitpunkt: Direkt nach dem Sammeln, noch bevor es ins Revier oder zu den Ständen geht.  

  • Aussage: Feierliches Willkommen der Jagdteilnehmer durch den Jagdleiter/Jagdherrn. Im Anschluss erfolgen meist Ansprache, Sicherheitsbelehrung, Jagdrechtliches (welches Wild ist frei) und organisatorische Hinweise.

Aufbruch zur Jagd
  • Zeitpunkt: Nach Begrüßung und Belehrung, wenn sich Schützen, Treiber und Hundeführer zu ihren Ständen bzw. Ausgangspositionen begeben.  

  • Aussage: Zeichen, dass der „Marsch“ in den Jagdbetrieb beginnt. Es informiert alle: jetzt geht es zu den Ständen; die eigentliche Jagdausübung beginnt gleich, scharf geschossen wird aber in der Regel noch nicht.

  • Zeitpunkt: Wenn alle Schützen angestellt sind, Treiber und Hunde ihre Ausgangspositionen eingenommen haben und das Treiben wirklich startet.  

  •  Aussage: Startsignal des Treibens. Es sagt den Schützen: Das Treiben läuft, ihr dürft auf freigegebenes Wild schießen. Den Treibern sagt es: jetzt vorrücken und treiben. Dieses Signal leitet die Phase ein, in der Waffen aktiv im Einsatz sind.

Anblasen des Treibens
  • Zeitpunkt: Wenn der Treib‑Kessel so weit geschlossen ist, dass die Treiber in den Innenbereich (Kessel) einrücken.  

  • Aussage: Ab jetzt bewegen sich Treiber mitten im Schussfeld. Je nach Jagdform bedeutet es: in den Kessel hinein gehen und weiter treiben, während die Schützen ihre Schussrichtung anpassen (z.B. nur noch nach außen schießen). Das signalisiert eine deutlich veränderte Gefahrenlage.  

Treiber in den Kessel
  • Zeitpunkt: Am Ende eines Treibens, bevor Treiber und Hunde aus dem Treiben entlassen werden oder die Schützen ihre Stände verlassen.  

  • Aussage: Sofortiges Einstellen des Schusswaffengebrauchs – ab diesem Moment darf nicht mehr geschossen werden. Danach ist das Treiben jagdlich abgeschlossen, auch wenn noch Wild sichtbar wäre. 

Hahn in Ruh / Aufhören zu schießen
  • Zeitpunkt: Am Ende des Jagdtages, wenn keine weiteren Treiben stattfinden und die Jagdausübung endgültig beendet ist.  

  • Aussage: Abschlusssignal der Jagd. Es macht für alle eindeutig klar, dass der jagdliche Teil vorbei ist, typischerweise vor oder nach Streckelegen, Bruchüberreichung und Schüsseltreiben.  

Jagd vorbei

Sicherheitsrelevante Signale

Besonders sicherheitsrelevant sind jene Signale, die den Beginn, die Veränderung und das Ende des scharfen Schussbetriebs regeln:

 

  • Anblasen des Treibens: Markiert den Beginn der Phase, in der scharf geschossen wird. Jeder Jäger muss wissen, dass ab diesem Zeitpunkt mit Schüssen zu rechnen ist und er seine Schussabgabe an die vereinbarten Sicherheitsregeln (Schussfeld, Kugelfang/Schrotbereich, Freigabe) anpassen muss. Ohne dieses Signal wäre unklar, ab wann Treiber, Hunde und Schützen mit laufendem Treiben rechnen müssen.  

  • Treiber in den Kessel: Signalisiert, dass Treiber nun im Innenraum des Kessels stehen. Schüsse in bestimmte Richtungen (typischerweise in den Kessel hinein) sind dann aus Sicherheitsgründen zu unterlassen. Das Signal zwingt die Schützen zur Änderung ihres Schussverhaltens (z.B. nur noch nach außen schießen). Es verhindert, dass Treiber im Schussfeld getroffen werden, weil Schützen die veränderte Position der Menschen im Gelände ignorieren oder nicht gesehen haben.  

  • Hahn in Ruh / Aufhören zu schießen: Beendet die Schussabgabe unverzüglich. Es schützt Treiber, Hundeführer und andere Jäger, die nach Treibenende die Deckung verlassen oder sich bewegen. Dieses Signal ist besonders kritisch, weil danach oft Unruhe im Standbereich entsteht (Abbaumen, Abgehen, Einsammeln von Hunden), was bei weiterlaufenden Schüssen hochgefährlich wäre.  

 

Indirekt trägt auch Sammeln der Jäger zur Sicherheit bei, weil dort die mündliche Sicherheitsbelehrung und die jagdlichen Anweisungen erteilt werden; die unmittelbar waffenbezogenen Sicherheitsfunktionen liegen jedoch vor allem bei Anblasen des Treibens, Treiber in den Kessel und Hahn in Ruh/Jagd vorbei.

Klang des jagdlichen Brauchtums

Jagdliches Brauchtum besitzt bis heute eine besondere Bedeutung. Viele Traditionen aus vergangenen Jahrhunderten sind erhalten geblieben und prägen das Verständnis von Waidgerechtigkeit und verantwortungsvoller Jagd. Dazu gehören unter anderem die Geschichte des Jagdwesens, die Jägersprache, Bruchzeichen, das Streckelegen, die Verwertung des Wildes – und vor allem die Jagdsignale, die mit dem Jagdhorn geblasen werden (Beispiel Stehfanfare

 

Das Verblasen eines Stückes Wild gehört zu den eindrucksvollsten Momenten der Jagd. Wenn der Klang des Jagdhorns über Wald und Feld hinweg klingt, entsteht für alle, die diese Signale kennen, ein besonderer Augenblick der Besinnung und des Respekts gegenüber dem Wild. 

Aber die Bedeutung unserer Jagdsignale ist weit größer, bis heute dienen sie der Verständigung. Zu den bekannten Signale gehören u.a. „Aufbruch zur Jagd“, „Das Ganze“, „Halt an“, „Hahn in Ruh“ oder „Zum Essen“. Auch Verständigungssignale wie der Hegeruf „Wo bist du denn“ oder der Notruf „Helft, bin in Not“ gehören zum jagdlichen Signalwesen.

 

Die Signale „Begrüßung“, die „Totsignale“, das „Halali“ und „Jagd vorbei“ sind aus dem unserem heutigen jagdlichen Brauchtum nicht mehr wegzudenken. Zum „letzten Geleit“ eines Jägers wird oft von einem entfernten Punkt aus „Jagd vorbei“ geblasen und zusätzlich das „Halali“ (auch „Das letzte Halali“). 

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